• Interview mit Michael Bhatty

  • Michael Bhatty ist promovierter Literaturwissenschaftler, Game Designer (Sacred), Trainer mit medienwissenschaftlichem Schwerpunkt und unabhängiger Autor mit besonderem Interesse für den Bereich Fantasy und Spieleumsetzungen. Im Frühjahr erschien im Panini-Verlag sein neuer Fantasy-Roman „Shareena – Legenden Taboreas“, der in der Spielwelt des Online-Rollenspiels Runes of Magic von Frogster angesiedelt ist.

    Florian Mall ist Gymnasiallehrer in Berlin und seit dem Frühjahr 2009 in der Community von Runes of Magic aktiv, besonders mit Beiträgen zur Story und Hintergrundgeschichte des Spiels.

    Florian: Hallo Michael. Diesen März ist ja gerade Dein neuer Roman erschienen: „Shareena – Legenden Taboreas“. Wie fühlt man sich als Autor, wenn nach langer und harter Arbeit endlich das eigene Buch in die Läden kommt?

    Michael: Hallo Florian. Angespannt, glücklich, depressiv und aufgedreht. Da wechseln sich die Gefühle tatsächlich sehr stark ab. Auf der einen Seite ist man froh, dass man das Buch dann richtig in der Hand halten kann, und blättert es vorsichtig durch. Auf der anderen Seite fragt man sich, wie es den Lesern gefällt. Letztens haben meine Frau und ich einen Bummel durch die Stadt gemacht und unserer favorisierter Buchhändler hatte tatsächlich neben den FARCRY-Romanen Runes of Magic – Shareena im Regal zu liegen: Das war schon ein sehr erlösendes Gefühl. Aber das sickert auch erst jetzt langsam ein; die ersten Wochen nach der Abgabe an den Verlag fiel ich eher in ein Loch, da mir die Figuren natürlich sehr ans Herz gewachsen sind und man sich dann einfach lösen muss (obwohl ich natürlich auch noch ein bisschen mit den Charakteren auf Taborea vorhabe ...).

    Florian: Das klingt nach einer innigen Beziehung zwischen Autor und Werk. Gab es denn während Deiner Arbeit an „Shareena“ ein besonderes Erlebnis, das diese Nähe zwischen Dir und Deinen Figuren geschaffen hat?

    Michael: Ja, eine enge innige Verbindung ist sehr wichtig und somit gucke ich immer, dass ich geeignete Inspirationen bekomme. Um meine Figuren kennenzulernen, habe ich mir Schauspieler angesehen und mich gefragt, wie wohl der eine oder andere diese Rollen interpretieren würde. Sean Connery als Fantur war dann ebenso dabei wie Alan Rickman für Brian Galart oder ein (junger) Samuel L. Jackson für den Magier Sam. Bei Shareena, Asiya und Sybilla standen mehrere Damen aus meinem Umfeld Pate, oftmals auch bunt gemischt. Ich wusste zum Beispiel immer, wie die späte Asiya sein wird, aber die frühe war schwieriger: Diese junge Asiya, wie sie nun in der Geschichte ist, basierte dann auf dem Foto einer Freundin, die früher gemodelt hatte, und auf dem Bild eben genau diesen verträumten Blick hatte, wie ihn auch Asiya in der untergehenden Sonne Rabenfelds zeigte. Das war die Inspiration, die ich damals gesucht hatte und die dann auch wirklich befreiend war.
    Musik ist ein weiteres Hilfsmittel. Durch die verschiedensten Soundtracks, RoM-Musiken aus dem Spiel und auch klassische Kompositionen habe ich Themen gefunden, durch die der jeweilige Charakter dann greifbar wurde. Das habe ich schon bei den FARCRY-Romanen gemacht; beim Schreiben von FARCRY – Götterdämmerung lief beispielsweise immer David Arnolds „James Bond – Casino Royal“-Score (weswegen ich mir auch immer einen Daniel Craig als Jack Carver vorgestellt hatte ;-) Für Runes of Magic – Shareena gab es dagegen ganz andere Musikthemen, die ihre innere Gefühlswelt und die äußeren Konflikte widerspiegelten.

    Florian: Neben Deinen neu erschaffenen Figuren hast Du ja auch einer ganzen Reihe von Charakteren (NPCs) aus dem Spiel literarisches Leben eingehaucht, so zum Beispiel Sharlin vom Auge der Weisheit. Es muss ein ziemlicher Aufwand gewesen sein, sich einerseits die Spielwelt zu erschließen und andererseits Figuren zu kreieren, die sich mit den vorhandenen Inhalten ergänzen.

    Michael: Ja, ich habe RoM sowohl auf den offenen wie auch auf den Entwicklungsservern ausprobiert. Mit verschiedenen Figuren bin ich dann durch die Welt gereist und habe Screenshots erstellt. Und dabei sind dann auch einige Ideen gekommen. Auf den Shots hier sehen wir Shareena und Berol in Varanas – eine Szene, die so nicht mehr im Buch ist – und das Treffen mit Sharlin. Die ganze Geschichte habe ich sozusagen als „Foto-Tour“ gesammelt und dann Ideen dazu weiterentwickelt. Es gibt Shots aus Rabenfeld, Ystra, der Obsidianfeste usw. Durch das Spielen einzelner Quests und die Recherche der internen Weltenbeschreibungen ergaben sich dann weitere Ansatzpunkte. Das Ganze ist eine Art Komposition, bei der sich viele Dinge einfach ineinanderfügen. Hier spielt man eine Quest und nimmt Questgegenstände auf, dort findet man eine interessante Figur, der man dann den Hintergrund eines gewissen Tavernenwirtes aus Harf gibt. Apropos Taverne: die beiden Barkeeper aus Varanas gibt es übrigens wirklich (allerdings in einem Kölner Hotel, wo ich einen sehr netten Abend mit den beiden Jungs verbringen durfte ;-) Man schlüpft bei den Vorbereitungen in so viele Rollen, dass man sich immer wieder neu fragen muss, was gerade passiert ist, warum dieser Charakter sich nun so verhält, was er denkt, fühlt etc.

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