• Community Roman - Kapitel 2

  • Kapitel 2

    Während Yeran in seine Betrachtungen regelrecht versunken war, stieß ihn mit einem Mal ein Ellenbogen sacht in die Seite. Es war Delana, die sich ihrem Sohn in dem kleinen Getümmel, das sich allmählich wieder auflöste, unbemerkt genähert hatte. „Nun, Yeran. Wohin wolltest Du Dich diesmal wieder heimlich davonstehlen?“, sagte Delana mit gespielter Empörung und machte dabei ein Gesicht, als ob ihr Sohn unter die Landstreicher hätte gehen wollen. Mitten aus seinen Gedanken gerissen konnte Yeran nur in aller Eile einige mehr oder weniger glaubhaft klingende Worte für eine Antwort zusammenbringen: „Ich wollte der alten Helen und ihrem Bauernhof einen Besuch abstatten. Ja, das wollte ich. Es ist doch bald Erntezeit und da dachte ich, vielleicht könnte ich mich dort nützlich machen.“ Delana kannte ihren Sohn nur zu gut, um nicht zu erkennen, was er tatsächlich vorgehabt hatte. Seine häufigen Ausflüge und Wanderschaften in der letzten Zeit waren ihr nicht verborgen geblieben. Sie wusste, dass es für Yeran an der Zeit war, seinen Platz im Leben zu finden. Natürlich kannte Delana auch Helens Hof, auf dem nicht nur die alte Bäuerin Helen ihre Bleibe hatte sondern auch die Krämerin Marian. „Wenn es etwas gibt, das Dich zu Helens Hof treibt, so ist es sicher nicht die Arbeit auf den Feldern, mein Sohn. Ich vermute eher, dass Du es auf die schöne Marian abgesehen hast, die Du wieder einmal an ihrem kleinen Stand auf dem Hof besuchen willst, obwohl Du doch ohnehin keine Handwerkswaren brauchen kannst. Aber Ihr wisst mittlerweile wohl beide, dass Du nicht auf der Suche nach Werkzeugen oder einem Spezial-Öl bist, sondern Dich nur an ihrem Anblick erfreuen willst. Du kleiner gewitzter Schelm!“

    Als Delana auf Marian zu sprechen kam, lief Yeran bis über beide Ohren rot an. Er war zwar froh, dass sie nicht auf seine heimlich geplante Tagesreise nach Logar zu sprechen kam, aber ihr Wissen um seine Hingabe für die schöne Krämerin machte ihn doch recht verlegen. Helens Hof lag an der Handelsstraße auf dem Weg nach Logar, sodass Yeran bei seinem Vorhaben dort sicherlich eine kurze Rast eingelegt hätte. Doch sein plötzlich erwachtes Interesse an Spezial-Ölen, die Marian seit einiger Zeit zum Verkauf anbot, musste er in Zukunft wohl besser für sich behalten. Er war im Moment einfach zu leicht zu durchschauen, seine Gedanken waren mit zu vielen Dingen auf einmal beschäftigt. Daher beschloss Yeran, seine Mutter mit einer mehr oder weniger glaubhaften Ausrede abzuspeisen, damit sie ihm nicht noch weitere Geheimnisse entlockte. Immerhin waren einige Leute aus dem Dorf in ihrer Nähe und spitzten neugierig die Ohren. Doch was sollte er Delana sagen? Er überlegte einen Augenblick, wobei er sich unruhig auf dem Dorfplatz umsah und die Winkel und Gässchen der Siedlung nach einem Vorwand für eine unauffällige Flucht absuchte. Plötzlich fiel sein Blick auf Avril, die am Wasserbecken des Dorfes stand und gerade einige Krüge mit frisch abgefülltem Quellwasser in Empfang nahm. Seit einiger Zeit musste das Wasser aus dem nahe gelegenen Alabaster-See gereinigt werden, da es mit Sporen verunreinigt worden war. Diese Sporen brachten Pilzwesen mit sich, die man in der Gegend um die Siedlung inzwischen überall antreffen konnte. Sie wurden Fungi genannt und waren harmlose und friedfertige Wesen, solange sie sich nicht bedroht fühlten. Da ihre Sporen aber das Wasser und die Nahrung der Pioniere ungenießbar machten, hatte Leighton auf die Fungi ein Kopfgeld ausgesetzt und am Schwarzen Brett der Siedlung einen Aufruf zur Bekämpfung der Pilzwesen-Plage für Pioniere und Abenteurer gleichermaßen angebracht. Es gab mittlerweile einfach zu viele Fungi in diesem Teil der Heulenden Berge. Als Avril Yerans suchenden Blick sah, winkte sie ihm freundlich zu und bat ihn zu sich. Yeran war erleichtert, dass die gute Seele des Dorfes ihm damit eine Gelegenheit verschaffte, um sich einigermaßen höflich aus dem Gespräch mit Delana zurückzuziehen. „Siehst Du, Mutter, Avril winkt mich zu sich. Sie braucht sicher meine Unterstützung beim Aufbereiten des Wassers. Du entschuldigst mich, aber die Pflicht ruft.“ Noch bevor Delana ihren Sohn daran erinnern konnte, dass er sich bisher allenfalls erfolgreich vor dem Wasserholen gedrückt hatte, war Yeran bereits mit schnellen Schritten über den Dorfplatz zu Avril geeilt. Delana ließ ihn ziehen.

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