• Community Roman - Kapitel 5

  • Kapitel 5

    Als Yeran wieder die Augen öffnen konnte, war es bereits früher Abend. Die Sonne verteilte mit ihren kürzer werdenden Strahlen ein beruhigendes Licht und der abendrote Himmel ruhte sanft über den Ebenen und Tälern der Heulenden Berge. Was für ein seltsamer Tag, dachte Yeran. Zuerst verschwand er am Morgen in einem magischen Wasserstrudel, um sich am Nachmittag in einem geheimnisvoll verdunkelten Zimmer in seine Bestandteile aufzulösen. Etwas Merkwürdiges musste geschehen sein. „Nun, Yeran, wie es scheint, hat Dich unser Teleportzauber ein wenig mitgenommen. Du stehst noch ganz wackelig auf Deinen Beinen“, bemerkte Salond etwas schelmisch. Auch Ocann und Elandus beobachteten Yerans Geh- und Stehversuche mit sichtlichem Vergnügen. Wie wir gehört haben, sind Zauberer eher verschlossene Gemüter, doch wenn sie einen Neuling in Sachen Magie vor sich haben, kennt ihre Schadenfreude keine Grenzen. Schließlich kam es nicht alle Tage vor, dass sie die Nachwirkungen ihrer Zauber an einem Unkundigen wie Yeran beobachten konnten. Und Yeran hatte tatsächlich noch ein gutes Stück mit den Auswirkungen von Salonds Teleportzauber zu kämpfen, auf den er ganz und gar nicht vorbereitet gewesen war. „Wir befinden uns jetzt auf einem Felsvorsprung weit über dem Alabaster-See. Von dieser Höhe aus können wir die Siedlung und ihre Umgebung überblicken, ohne weiter aufzufallen. Außerdem sollten wir hier vor allzu neugierigen Ohren sicher sein.“

    „Neugierige Ohren?“, fragte Yeran und fühlte sich mit einem Mal seltsam unwohl. Er ahnte, dass es nicht allein die Neugier war, vor der sie sich in Acht nehmen mussten. Elandus blickte zu Salond hinüber und dieser nickte ihm schweigend zu. Die drei Magier vom Auge der Weisheit hatten an dieser Stelle eigentlich erst Yerans Geschichte hören wollen, bevor sie weitere Erklärungen abgaben. Da sie ihn aber andererseits nicht im Unklaren lassen wollten, beantwortete Elandus seine Frage schließlich ohne weitere Umschweife. „Die starke Präsenz der magischen Kräfte in diesem Teil des Landes hat nicht nur das Auge der Weisheit auf den Plan gerufen. Wann immer wir ein Artefakt zutage fördern oder einen neuen Hinweis auf das Wissen der Vergangenheit finden, gibt es eine Gruppe, die sich uns bei jeder Gelegenheit in den Weg stellt und zu verhindern versucht, dass wir bei unserer Suche Erfolg haben. Sie nennen sich selbst Zurhidon, ein Zusammenschluss frevelhafter Dämonenanbeter, die die Gaben der Magie und des arkanen Wissens dazu verwenden, um ihren dunklen Meistern zu huldigen und sie nach Möglichkeit in unsere Welt zu holen. Es gehen Gerüchte, dass sie dem Dämonenfürst selbst die Treue geschworen haben und nicht eher ruhen werden, als bis alle verbannten Dämonen aus der Welt der Leere zurück nach Taborea gelangt sind. Ayvenas möge uns davor bewahren.“

    Zurhidon. Ein unheilvoller Name. Yeran war bei Elandus' Worten ein Schauer über den Rücken gelaufen. Hatte er durch seine Begegnung mit Narfas ihren dunklen Eifer geweckt? Wie er von Elandus weiter erfuhr, trugen die Zurhidon tatsächlich jene fratzenhafte Masken, von denen Narfas' Stimme gesprochen hatte. Es bestand kein Zweifel mehr, diese Abtrünnigen waren jene Gesichtslosen aus der Prophezeiung des Quellgottes. Yeran würde ihnen das falsche Antlitz herunterreißen, wie es Narfas vorausgesagt hatte. Unser junger Steinhauer hatte seinen Gegner gefunden. Doch bevor er sich kopfüber in dieses Abenteuer stürzen konnte, erinnerten ihn Salond, Elandus und Ocann daran, dass er ihnen seine Geschichte erzählen sollte, um einerseits Ocanns Traumbilder zu erhellen und die sie andererseits in das eine oder andere Geheimnis einzuweihen. Davon, dass sie als Magier und Sterndeuter ohnehin schon eine ganze Menge über geheimnisvolle Ereignisse wussten, verrieten sie Yeran nichts. Vorerst. Sie hatten bislang nur eine Ahnung davon gehabt, was die Bilder aus Ocanns Traum bedeuteten. Und sie würden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, wenn sie erst von Yerans Begegnung mit dem Quellgott am Grund des Waldsees erfuhren.

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