• Interview mit Michael Bhatty

  • Florian: Du hast Deinen Roman nach der Hauptfigur Deiner Geschichte benannt. Kannst Du uns vielleicht ein wenig mehr über Shareena und ihre Rolle in der Welt von Runes of Magic erzählen?

    Michael: Die Figur von Shareena hat die verschiedensten Einflüsse. Zum einen habe ich ein Faible für Bogenschützinnen. Für die Story von SACRED (1) hatte ich ja die Baroness Vilya als Waldläuferin mit Pfeil und Bogen definiert, ein Umstand, der auf die Spielercharaktere meiner Frau zurückgeht, die gerne mit Magie oder eben Pfeil und Bogen spielt. Ich selbst bin ja eher jemand, der mit gezückten Klingen direkt in den Nahkampf geht ;-)
    Shareena hat aber auch noch andere Bestandteile. Meine Nichten haben viel zu dem Bild der jungen Mädchen beigetragen, während die späteren Ereignisse auf Schilderungen von anderen Freundinnen basieren. Diese Ereignisse aus der „realen“ Welt bildeten dann einen dramatisierbaren Überbau für die „virtuelle Welt“ von RoM. Shareena ist ein Pioniermädchen – oder besser gesagt, sie ist ein NPC. Ein NPC, der jeden Tag die Abenteurer sieht und nun will sie mehr aus ihrem Leben machen. Und genau darum geht es in der Geschichte um Shareena – über den Start in ein neues Leben. Der Leser wird dann durch Shareena aus der „normalen“ Fantasy-Welt immer tiefer in die „spezielle“ Welt von RoM eingeführt, wodurch auch Leser, die RoM noch nicht gespielt haben, durchaus einen Einblick in dieses Setting bekommen können.

    Florian: Shareena agiert zunächst ja eher allein und beherrscht dann im Verlauf Deines Romans die unterschiedlichsten Kampftechniken. Welche Charakterklassen müsste man wählen, um Deiner Figur nacheifern zu können?

    Michael: Shareena ist zwar am Anfang allein (eine Situation, die viele Spieler ja auch kennen), aber sie ist ein Teamcharakter, denn eigentlich ist sie ja ein „verskillter“ Charakter. Sie muss durch Ausprobieren und das Wechselspiel von Erfolg und Misserfolg erst den richtigen Weg für sich finden und aufgrund ihrer Schwächen ist sie auch auf die Hilfe der anderen Figuren – wie zum Beispiel den Ritter und Haudegen Fantur – angewiesen.Wer also seinen Charakter entsprechend gestalten will, braucht erst die Kriegerin (wider Willen) und dann die Kundschafterin (oder er ist so irre und geht mit der Kundschafterin in den Nahkampf (was nicht wirklich lustig ist und viele, viele Heiltränke erfordert).

    Hier müssen wir natürlich zwischen Game und Buch unterscheiden, denn es werden einfach andere Stilmittel verwendet. Das Game bietet die Sekundärklasse als festes Ereignis an, während Shareena ihre Erfahrungen ja nicht „spielmechanisch“ sammelt, sondern so, wie man auch im wahren Leben lernt: in Abschnitten, durch Training etc. Erst bringt Shareenas Bruder Victor ihr rudimentär den Schwertkampf bei, Laif Cindai hat ihr vorher schon Informationen zur Kundschafterei gegeben, dann wird sie zum Kämpfen gezwungen usw. Sie ist eigentlich ein wenig unschlüssig zwischen den Klassen, wenn man so will, eben ein NPC, der das erste Mal das Leben eines Spielercharakters ausprobiert. Im Kontrast dazu sind die anderen Charaktere ja viel zielgerichteter entwickelt worden. Fantur ist eben ein astreiner Tank, Sam der Vorzeigemagier usw.

    Florian: Wer sich mit Deinen wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich Medien beschäftigt, stößt früher oder später auf Dein Konzept des Interactive Story Telling. Worum geht es bei diesem Konzept genau?

    Michael: Unter anderem um die chaotischen Elemente, die in komplexen Erzählsystemen auftreten und wie man diese konzeptionell im Rahmen einer Dramaturgie einsetzt, also genau das, was wir in klassischen Pen-&-Paper-RPGs wie auch bei Games erleben, Unschärfe von Raum und Zeit und wie man dies managen kann. Interessanterweise gelten sowohl für lineare wie auch interaktive Geschichten die gleichen Grundlagen wie Charaktere, Handlung, Orte, Struktur des Konflikts etc. Und egal, wie komplex und interaktiv ich eine Geschichte auch konzipiere, der persönliche Weg des Spielers wird von diesem immer linear wahrgenommen.

    Florian: Wir wollen nicht zu viel verraten, aber Deine Leser werden bald merken, dass Dinge wie Raum und Zeit an neue Grenzen stoßen – vor allem, sobald Magie ins Spiel kommt. Gibt es noch etwas, das Du Deinen Shareena-Lesern und den Fans von Runes of Magic zum Abschluss mit auf den Weg geben möchtest?

    Michael: Offenen Geistes durch die reale und virtuelle Welt zu gehen! Shareena erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, die in einer Welt geboren wurde, in der die Abenteurer eigentlich – unabhängig von ihrem Geschlecht – alle Mittel und Möglichkeiten haben. Shareena dagegen hat ein Umfeld, das sie einengt, ihr Regeln auferlegt, sie fesselt. Solche Situationen kennen wir alle in der einen oder anderen Form. Runes of Magic – Shareena erzählt also die Geschichte über ein neues Leben. Möge sie euch als Inspiration dienen; in dieser Welt und in den virtuellen Weiten von Runes of Magic!

    Florian: Michael, ich danke Dir für das Gespräch und Deine Zeit.

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