• Community Roman - Kapitel 1

  • Als Vater war er über die Zukunft seines Sohnes in ständiger Sorge und dachte immer wieder darüber nach, wie er Yeran wohl am besten für die nächsten Jahre unterbringen konnte. Das Ansehen der Steinhauers durfte dabei natürlich unter keinen Umständen Schaden nehmen, sodass aus Meratans Sicht nicht allzu viele Möglichkeiten blieben, sollte Yeran die Tradition der Familie als Bergleute nicht fortsetzen. Die Umgebung der Pioniersiedlung bot zwar reiche Rohstoffvorkommen, doch für eine Ausbildung vor Ort kamen neben dem Bergbau nur noch das Schreinerhandwerk oder die Kräuterkunde in Frage. Für eine weiterführende Lehre hätte Yeran nach Logar umsiedeln müssen, dort gab es neben den Schmiedehandwerken für Rüstungen und Waffen noch weitere Meisterinnen und Meister, die Yeran gegen eine nicht unerhebliche Menge Gold in die Lehre genommen hätten. Meratan gefiel der Gedanke gar nicht, dass sein Sohn die Pioniersiedlung verlassen könnte, und bei dem Gedanken an das viele Lehrgeld, dass er in Logar für Yerans Ausbildung würde zahlen müssen, wurde ihm jedes Mal ganz anders zumute.

    Yeran kannte die Gedanken und Sorgen seines Vaters nur allzu gut. Jedes Mal, wenn er Meratans Stirn in nachdenkliche Falten gelegt sah, erinnerte ihn dieser Anblick daran, dass es Zeit für ihn war, hinaus in die Welt zu ziehen und dem Namen der Familie Steinhauer alle Ehre zu machen. Vielleicht nicht unbedingt als steineklopfender Pionier unter Tage oder als rußverschmierter Heizer an der Schmelze, aber doch auf eine Weise, die Yeran Ansehen und eine gute Stellung verschaffen würde. Über sein Ziel war sich Yeran im Klaren, nur den Weg, der ihn dorthin führen sollte, konnte er noch nicht klar erkennen. Um genau zu sein: Er konnte ihn überhaupt nicht erkennen, nicht einmal in Umrissen. Und so trug er Tag für Tag die unterschiedlichsten Gedanken über seine Zukunft mit sich herum, ohne dass etwas geschah, das ihm seinen weiteren Weg gewiesen hätte. Tief in seinem Inneren schlummerte jedoch etwas Sonderbares, das nur auf eine Gelegenheit wartete, um sich zeigen zu können.

    An einem lauen Sommermorgen geschah es, dass sich in der kleinen Siedlung unverhofft hoher Besuch einstellte. Yeran hatte sich für diesen Tag auf eine Wanderung nach Logar vorbereitet. Dort wollte er sich auf eigene Faust ein Handwerk suchen, ohne die mahnenden Blicke seines Vaters im Nacken zu spüren und ohne den hoffnungsvollen Erwartungen seiner Mutter ausgesetzt zu sein. Sicher, beide meinten es gut mit ihm, doch Yeran wusste, dass weder Meratan noch Delana die anstehenden Entscheidungen über seine Zukunft für ihn treffen konnten. Er musste seinen Weg allein finden. Daher hatte Yeran heimlich seine Wandersachen gepackt und war gerade dabei, den ersten Schritt vor das kleine Haus zu setzen, als plötzlich ein Wagen auf dem kleinen Dorfplatz der Siedlung vorfuhr, den vier Reiter als Geleitschutz flankierten. Yeran blieb unwillkürlich auf der Schwelle des kleinen Hauses stehen und staunte über den ungewohnten Anblick. Schön waren die Reiter anzusehen, mit ihren wehenden Bannern und schimmernden Rüstungen. Das Wappen der Stadt Varanas zierte Ihre Schilde, ein aufblühender Baum von leuchtender Strahlkraft, der auf dem blauen Grund der Schildplatten regelrecht zu gedeihen schien. Es war ein Sinnbild für die aufstrebende Hauptstadt des Landes, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz immer weiter entwickelte. In der Pioniersiedlung hatte man eine solche Pracht seit Jahren nicht gesehen. Daher füllte sich der Dorfplatz rasch mit Schaulustigen, sodass Yeran seinen Ausflug nach Logar nicht mehr ganz so geheim halten konnte, wie es ihm eigentlich lieb gewesen wäre. Um nicht weiter aufzufallen, ließ er seine Wandersachen kurzerhand im Haus zurück und ging stattdessen zu dem kleinen Marktflecken des Dorfes, um sich unauffällig wieder unter die Leute zu mischen.

    Die beiden Krämer Meryl und Shamp waren dort gerade in ein Gespräch mit der Kundschafterin Laif Cindai verwickelt, wobei Meryl nicht gerade ein freundliches Gesicht machte. „Sechzig Goldstücke für dieses Paar Hirschlederstiefel, das ist mein letztes Angebot“, hörte er Laif zu Meryl und Shamp sagen. Die Kundschafterin hatte sich höchstpersönlich aus dem Dickicht der Wälder in das kleine Dorf aufgemacht, um ihre Vorräte aufzufüllen und einige Ausrüstungsgegenstände ausbessern zu lassen. „Du willst uns wohl in den Ruin treiben, Laif“, erwiderte ihr Meryl mit gespielter Entrüstung. „Diese Stiefel sind wenigstens siebzig Goldstücke wert! Wie kannst Du uns nur um zehn Goldstücke prellen wollen, meinen armen Shamp und mich. Wenn ich Dich nicht schon seit ewigen Zeiten kennen würde, müsste ich glauben, Du wolltest uns ins Armenhaus bringen!“ Laif sah gelassen zu Shamp hinüber, der folgsam neben seiner Frau stand und die Kundschafterin kaum anzusehen wagte. Wie es schien, konnte Laif nicht mit seiner Unterstützung rechnen. „Unser gutes Hirschleder sollen wir für einen Waldgeist wie Dich verramschen. Nicht mit mir! Hörst Du, Shamp. Lass Dir bloß nicht einfallen, diese Stiefel für weniger als siebzig Goldstücke zu verkaufen.“ Der gute Shamp nickte folgsam und hätte die Klagereden seiner Frau sicherlich noch eine ganze Weile mitanhören müssen, wenn Yeran nicht mit seinen Neuigkeiten über die Ankömmlinge vom Dorfplatz zu ihnen geeilt wäre.

    Seite 1 | Seite 2 | Seite 3

    « 1 2 3 »

RoM-Welten English RoM-Welten German
RoM-Welten.de auf Facebook RoM-Welten.de auf Twitter RoM-Welten.de auf YouTube RoM-Welten.de auf Google+
Monster und ihre Spawnzeiten
Zur Galerie: Offizielle Artworks