• Community Roman - Kapitel 1

  • „Liebe Meryl, ich störe nur ungern Eure Unterhaltung. Aber wie ich gerade erfahren habe, ist eine Kutsche mit hohem Besuch aus Varanas in der Siedlung eingetroffen. Vier stattliche Reiter mit prächtigen Wappen begleiten sie.“ Meryl gefiel die Störung ihrer Geschäfte ganz und gar nicht. Was kümmerte es sie, wenn sich einige Herrschaften samt ihrer Kutsche in die Pioniersiedlung verirrten. Doch da Yeran es verstand ihr mit seinem jungenhaften Charme zu schmeicheln, war sie versöhnlich gestimmt und ließ von weiteren Klagereden ab. „Nun gut, mein Junge. Dann wollen wir uns diese Herrschaften einmal ansehen. Vielleicht lässt sich mit ihnen am Ende sogar ein gutes Geschäft abschließen. Wer weiß das schon so früh am Morgen. Lasst uns sehen, wen Ayvenas' Vorsehung in unser bescheidenes Dorf geführt hat.“ Laif schien mehr über den Besuch aus Varanas zu wissen, sagte jedoch nichts zu dieser Sache. Mit einem Wink gab Meryl ihrem Mann zu verstehen, dass sie ihren Marktstand für einen Augenblick verlassen würden. Leo, der für die Pioniere am Ausgang des Dorfes Wache stand, würde für diese Zeit ein Auge auf ihre Waren haben. Mallor, der Waffenhändler des Dorfes, und Reideen, der Tränke aller Art verkaufte, entschlossen sich ebenfalls ihrer Neugier nachzugeben und den kleinen Marktflecken für eine kurze Zeit in die Obhut der Wache zu geben. Und so schritt Yeran kurz darauf an der Seite von Meryl und Laif zurück zum Hauptplatz des Dorfes, während Shamp, Mallor und Reideen mit einigem Zögern folgten. Sie konnten es wohl nur schwer übers Herz bringen, ihre Waren für einen Augenblick zurückzulassen. Doch auf die Pionierwachen war Verlass. Leighton, der Anführer im Dorf, hatte alle Mitglieder der Wache persönlich für diese Aufgabe ausgewählt und sie von Laif sowie einigen Haudegen im Schwertkampf und in der Kunst des scharfen Beobachtens schulen lassen. Und so waren die Pionierwachen zwar keine voll ausgebildeten Krieger oder Kundschafter, dafür aber treue Seelen, die ihre neue Heimat vor allem Übel schützen wollten.

    Der Dorfplatz hatte sich inzwischen weiter belebt, Pioniere und Händler drängten sich neugierig um die Kutsche und ihre Eskorte aus Varanas. Leighton hatte sich dem Anschein nach recht gut auf den Empfang der unverhofften Gäste vorbereiten können. Wie wäre es sonst zu erklären gewesen, dass er in festlicher Pionierstracht vor die Kutsche trat, um die Ankömmlinge zu begrüßen. Als Leighton näher an den Wagen herantrat, begannen die vorgespannten Pferde unruhig zu wiehern und mit den Hufen zu scharren. Sie schienen seine Nähe nicht hinnehmen zu wollen, doch der Kutscher beruhigte die Tiere und blickte danach entschuldigend zu Leighton herüber. Die Ritter der Eskorte waren nicht von ihren Pferden abgestiegen, sondern flankierten die Kutsche weiterhin an allen vier Seiten. Die straffe Haltung, mit der sie im Sattel saßen und Schild und Lanze hielten, verriet den neugierigen Zuschauern ihre ständige Kampfbereitschaft. Sie würden unverzüglich jeden Gegner angreifen, der es wagte, ihr Geleit zu bedrohen. Leighton spürte die Anspannung um sich herum und zögerte einen Moment. Bei einem Anlass wie diesem konnte es jedoch leicht sehr unhöflich wirken, die Ankömmlinge warten zu lassen. Daher besann sich Leighton rasch auf seine Pflichten als gewählter Anführer der Pioniere, fasste sich ein Herz und öffnete die Tür des Wagens.

    Von seinem Platz aus konnte Yeran erkennen, wie drei in geheimnisvolle Roben gekleidete Männer einer nach dem anderen den Wagen über eine kleine Stiege verließen und von Leighton begrüßt wurden. Die Form und Farbe ihrer Gewänder erinnerten Yeran an das Meer mit seinen tiefblauen Fluten. Der Faltenwurf glich einem seichten Wellengang, der zu den Ärmeln und zum Saum hin in schäumende Gischt überging, so wie das Meer am Ufer heller und klarer wird. Yeran musste bei diesem Anblick unwillkürlich an eine alte Bekannte denken. Er hatte diese Art Roben schon einmal gesehen. Es war Sharlin, die solche Kleidung zu tragen pflegte. Sie hatte an der Grenze zum Seweida-Wald ein kleines Lager aufgeschlagen, um die Umgebung des Waldes nach den Überresten dämonischer Magie abzusuchen. Yeran hatte Sharlin in Logar einige Male bei den Vorratshändlern an den Marktständen gesehen. Neugierig, wie unser junger Mann nun einmal war, hatte Yeran auch das eine oder andere Gespräch mitangehört, sodass er Gerüchte über riesige Spinnen und wilde Fledermäuse in den Tiefen des Seweida-Waldes nur zu gut kannte. Ob die unverhofften Gäste etwas mit Sharlins Anwesenheit im Seweida-Wald zu tun hatten? Ihrer Kleidung nach zu urteilen gehörten sie demselben Orden an, über den Yeran allerdings noch nicht allzu viel wusste, außer dass sich seine Mitglieder vor allem mit Magie und dem Wissen aus alter Zeit beschäftigten. Merkwürdige Dinge, wie er für den Augenblick urteilte.

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