• Community Roman - Kapitel 2

  • Und so kam es, dass Yeran sich kurzerhand eine List ausdachte, mit der er den alten Mann für eine Weile beschäftigen wollte. „Väterchen, ich bin sicher, Du warst einst ein Mann von großen Taten. Deine Geschichten belehren die Menschen und es gibt keinen, der nicht etwas von Dir lernen könnte. Doch für den heutigen Tag braucht jemand ganz besonders Deinen Rat und Beistand.“ Yeran hatte nicht mit Lob gespart, mochte es auch etwas überschwänglich klingen, doch der alte Gooding war mit den Jahren ein wenig eigensinnig und gemächlich geworden, sodass es gut sein konnte, dass nur noch ein Teil seiner Rede bei dem Greis ankam. „So, wen meinst Du denn?“, fragte der Alte ein wenig misstrauisch. Sein Geist schien noch nicht ganz so schläfrig, wie Yeran angenommen hatte. „Unseren Schreinermeister natürlich!“, gab Yeran entschlossen zur Antwort. Er konnte erkennen, dass die Werkbänke nahe beim See heute noch nicht benutzt worden waren. Möglicherweise war der Holzfällermeister mit einigen Pionieren in die umliegenden Wälder aufgebrochen, um ein paar kräftige Stämme zu Fall zu bringen. In jedem Fall würde der alte Gooding wohl eine ganze Weile nach ihm suchen müssen, und wenn er den Meister der Holzverarbeitung tatsächlich finden sollte, würde es sicher eine ganze Weile dauern, bis der Alte wieder von ihm lassen würde. Die eine oder andere Geschichte würde er bestimmt zum besten geben, bevor er an seinen angestammten Platz vor dem Werkhaus zurückkehren würde. So hätte Yeran auf seinem Weg zur Quelle nicht nur einen neugierigen Zuschauer weniger sondern vor allem seine Ruhe vor Geschichten, deren Ausgang er schon seit Jahr und Tag kannte. Der alte Gooding pflegte nämlich immer wieder dieselben Geschichten zu erzählen, wie das bei manchen Leuten im Alter nun einmal üblich war.

    Während Yeran kurze Zeit später das Ufer nach einer geeigneten Stelle absuchte, musste er unwillkürlich Leighton denken. Irgendetwas war an disem Tag anders an ihm gewesen. Durch die kleinen Wirren während seines missglückten Aufbruchs nach Logar hatte Yeran das Schauspiel vom Morgen schon beinahe wieder vergessen. Und mit einem Mal erinnerte er sich und begann Fragen zu stellen. Wohin war die Kutsche mitsamt ihrer prächtigen Eskorte von heute Morgen eigentlich gebracht worden? Yeran wusste es nicht, meinte sich aber zu erinnern, dass die Gäste Platz im Haupthaus des Dorfes gefunden hatten. Magier mussten es gewesen sein, so viel hatte Yeran an ihren Gewändern ablesen können. Doch welche Ziele sie verfolgten, konnte er beim besten Willen nicht sagen. Merkwürdig, dass ihr Erscheinen in der Siedlung kaum einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hatte. Möglicherweise wollten die Gäste aus Varanas auch gar nicht weiter in Erinnerung bleiben. Bei Magiern konnte man schließlich nie wissen. Für den Augenblick musste Yeran jedoch vor allem frisches Wasser heranschaffen, anstatt sich über die unverhofften Gäste Gedanken zu machen. Niemand aus der Siedlung hätte wohl auch nur erahnen können, wie nahe unser junger Freund den Künsten der Magie bald gegenüberstehen sollte, denn als Yeran sich beim Schöpfen über die spiegelnden Wasser des Alabaster-Sees beugte, versanken seine Blicke mit einem Mal in den plätschernden Bewegungen der Wellen und das Rauschen des nahe gelegenen Wasserfalls erfüllte ihn mit einer nie gekannte Ruhe und Behaglichkeit. Es schien beinahe so, als ob die seichten Fluten des See unseren jungen Mann zu sich riefen. Und wirklich, noch bevor Yeran den Mund vor Staunen aufsperren konnte, öffnete sich in der Mitte des Sees mit einem Mal ein Strudel, der in allen Farben des Regenbogens zu leuchten schien. Seltsam neblig tanzten kleine springende Wellen um die sich drehende Wassersäule, die die Strömung des Sees trotz ihrer verschlungenen Bewegungen nicht weiter zu stören schienen. Auch war sich Yeran nicht sicher, ob vom Grund herauf nicht flüsternde Stimmen an sein Ohr drangen. Er spürte das Verlangen in sich emporsteigen, den unheimlichen Verlockungen nachzugeben und sich den Strudel zu stürzen. Das Wasser schien ihm freundlich gesonnen zu sein, sofern man das von einem gewissen Standpunkt aus sagen konnte. Seine Neugier und ein nie gekanntes Wohlgefühl nahmen ihm schließlich den letzten Rest seines zögernden Verstandes, sodass er bald nur noch ein Rauschen in sich spürte, das sich seinen Weg bahnen musste. Und dieser Weg führte ihn ins Wasser. Er sprang wie im Wahn in den See, erfüllt von ungeahnter Lebendigkeit und Freude. Von Weitem hätte man meinen können, er würde sich ertränken wollen, doch Yeran fühlte sich so geborgen wie noch nie zuvor in seinem Leben. Für ihn tat sich eine neue Welt auf. Eine Welt, in der Grenzen keine Rolle mehr spielen sollten.

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