• Community Roman - Kapitel 4

  • „Ich muss mich für meine Verschwiegenheit entschuldigen, Yeran. Wir sind mit einem Auftrag von höchster Wichtigkeit in die Heulenden Berge gekommen. Unsere Astrologen und Magieforscher in Varanas haben herausgefunden, dass sich in diesem Teil des Landes starke magische Kräfte sammeln. Wir konnten bisher nicht feststellen, welchem Zweck sie dienen oder woher sie stammen. Magie ist in Taborea eine Macht, die Göttern und Menschen zu Gebote steht, was unsere Suche nicht gerade vereinfacht. Über die Ursprünge der Magie gibt es Geschichten und Mythen. Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass jede magische Kraft auf dieser Welt die Energien bestimmter Artefakte benötigt, die wir Runen nennen. Der Sage nach soll Ayvenas diese Runen über unsere Welt gestreut haben, als er sein Buch der Schöpfung zerriss. Die magischen Symbole dieses Buches sollen als flammende Trümmer vom Himmel gefallen sein. Aufgrund ihrer Hitze und der Wucht ihres Aufpralls durchschlugen sie Bäume, Felsen und selbst Gebirge, sodass sie auch heute noch überall in Taborea finden sind. Wir sind beständig auf der Suche nach diesen Artefakten, Yeran. Unser Orden hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kräfte und Strömungen der Magie in all ihrer Vielfalt zu untersuchen und das Wissen über sie für die Nachwelt aufzuzeichnen. Zu viel ist schon vergessen worden im Laufe der Jahrhunderte. Und mit jedem Tag rückt das Wissen der Vergangenheit in weitere Ferne, wenn wir es nicht vor dem Untergang bewahren. Aber bevor wir weiter von diesen Dingen sprechen, möchte ich Dir meine beiden Begleiter vorstellen. Auf der rechten Seite siehst Du Meister Ocann, der sich mit der Deutung der Sternbilder befasst und mit ihrer Hilfe die Rätsel unserer Welt ergründet. Auf der linken Seite befindet sich Magieforscher Elandus, der sich besonders auf die Entdeckung verschollener Ruinen und die Erforschung uralter Relikte versteht.“ 

    Ocann und Elandus grüßten Yeran höflich aber doch zurückhaltend, während Salond sie vorstellte. Unter Magiern war es allgemein üblich, eher zu schweigen als viele Worte zu machen. Die langen Jahre, die sie in den Studierstuben und Bibliotheken verbrachten, hatten sie so sehr an die Stille und Zurückgezogenheit gewöhnt, dass ihnen jedes Wort, das nicht unbedingt notwendig war, überflüssig erschien. Auf Außenstehende wirkten Magier daher meist verschwiegen, viele hielten sie darüber hinaus für dünkelhaft und verschroben. Ocann und Elandus schienen in dieser Hinsicht keine Ausnahme zu sein, doch Yeran konnte trotz ihrer Zurückhaltung erahnen, dass hinter dem Schleier aus Verschwiegenheit und geheimen Künsten ein aufrechter Charakter stand. Salond erteilte schließlich Elandus das Wort, damit Yeran von ihm etwas über die Aufgaben und Absichten des Auges der Weisheit erfuhr. Elandus trat einen Schritt vor, sodass er nicht mehr wie angewurzelt am Kartentisch stand, und begann seine Rede: „Es gibt viele Geschichten und manche Legenden über den Ursprung des Auges der Weisheit. Nach allem, was wir heute wissen, existiert unser Orden seit den ältesten Tagen der Zeitgeschichte. Die Herrscherhäuser des Kontinents Kolydia waren früher der Ort, an dem die Angehörigen des Auges der Weisheit zusammenkamen, um sich über ihre Erkenntnisse in der Magiebeherrschung und die Deutung der alles beherrschenden Gestirne auszutauschen. Wir waren geachtet und als Zauberkundige hoch angesehen. Als die Menschen mit dem Anbruch des Zeitalters der Entdeckungen schließlich begannen, von Kolydia aus nach Candara zu segeln, wurde unser Orden mit der Aufgabe betraut, die Relikte der Vergangenheit auf diesem Kontinent zu erforschen und so viel wie möglich von jenem alten Wissen zu sichern, das durch Kriege und Katastrophen über die Jahrhunderte verloren gegangen war.“ 

    „Und so kam es, dass unsere Astrologen und Magieforscher die Hallen der alten Herrscherhäuser auf Kolydia verließen, um mit den ersten Siedlern nach Candara aufzubrechen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in der neuen Welt. Wir wussten damals vergleichsweise wenig über die inzwischen erschlossenen Gebiete und mussten uns daher mit anderen Gruppen zusammentun, um in der Fremde bestehen zu können. Ritterorden und Abenteurergilden waren zu dieser Zeit für den Schutz der Menschen genauso von Bedeutung wie die zahlreichen Handwerker, mit deren Hilfe wir die Weiße Kathedrale und schließlich das prächtige Varanas erbauten. Dort haben wir seither auch unseren Hauptsitz, nahe der Versammlungshalle des Rates von Varanas. Die Mitglieder des Rates kommen in dieser Halle regelmäßig zusammen, um Recht zu sprechen und über die Geschicke der Stadt zu entscheiden. Unsere Nachbarschaft hat lange Jahre für ein gutes Verhältnis zwischen unserem Orden und dem Rat gesorgt. Doch in letzter Zeit haben sich die Dinge, nun ja, etwas überschlagen.“ Yeran, der Elandus' Rede aufmerksam verfolgte, warf dem Magieforscher einen fragenden Blick zu: Überschlagen? Elandus bemerkte Yerans Verwunderung und sagte nach kurzem Zögern: „Ich will offen sein, Yeran, zwischen dem Auge der Weisheit und dem Rat von Varanas ist es in den vergangenen Jahren zu erheblichen Spannungen gekommen. Wir mussten uns immer weiter aus den Regierungsgeschäften der Stadt zurückziehen, sodass unser Einfluss auf die Entscheidungen des Rates mit jedem Tag schwindet. Wir konnten bis heute nicht herausfinden, wer die Hintermänner bei dieser Entwicklung sind, doch spätestens seit dem Verschwinden von Meister Ancalon und seinen obersten Beratern steht für uns außer Frage, dass jemand in der Stadt gegen uns arbeitet. In früheren Tagen haben wir uns in Zeiten des Konflikts in unsere Hallen der Forschung zurückgezogen, um dort fernab von allem Streit in weltlichen Dingen unserer Arbeit nachzugehen. Dieses Mal allerdings kommt ein Rückzug für unseren Orden nicht in Frage. Wir müssen lernen uns zu behaupten.“ Mit diesen für einen Magier ungewöhnlich deutlichen Worten endete Elandus' Rede.

    Seite 1 | Seite 2 | Seite 3

    « 1 2 3 »

RoM-Welten English RoM-Welten German
RoM-Welten.de auf Facebook RoM-Welten.de auf Twitter RoM-Welten.de auf YouTube RoM-Welten.de auf Google+
Monster und ihre Spawnzeiten
Zur Galerie: Chapter I - Rise of the Demon Lord