• Community Roman - Kapitel 4

  • „So ist jedenfalls die Meinung einiger Mitglieder unseres Ordens“, fügte Salond hinzu. „Und es sind nicht die schlechtesten, die so denken!“, ereiferte sich Elandus. „Du musst wissen, Yeran, dass unser Orden eine lange Zeit in völliger Abgeschiedenheit existiert hat. Wir Magier vermeiden Schwierigkeiten lieber, als ihnen mit Entschlossenheit zu begegnen. Wir berufen uns nicht auf Macht und Stärke sondern vertrauen auf unsere Weisheit und Einsicht in die Dinge. Einen beherzten Magieforscher wie Elandus wirst Du daher kaum ein zweites Mal in unseren Reihen finden.“ Salond hatte seine Erklärung gerade abgeschlossen, als Ocann zwischen die beiden Magier trat. „Du siehst, es gibt heute viel für Dich zu lernen, junger Steinhauer. In Deinen Augen sehe ich viele Fragen, die Deinen Geist beschäftigen. Und wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, sind wir heute nicht das erste außergewöhnliche Ereignis, das Du erlebst. Du hast in das Antlitz der Götter geblickt, ich kann es in Deinen Augen sehen. Es steht außer Zweifel, die magischen Strömungen an diesem Ort haben einen Teil ihrer Kraft auf Dich übertragen. Ich habe es im Traum gesehen, ohne es gleich zu verstehen. Die Bilder waren nur verschwommen, doch ich konnte einen jungen Mann erkennen, der in wogenden Sphären schwebte, während um ihn herum ein Garten aus Licht erblühte. So geheimnisvoll und undeutbar mir dieser Traum auch erschien, so klar sehe ich die Antwort jetzt vor mir. Der junge Mann aus meinem Traum warst Du, Yeran. Du hast Dinge gesehen, die selbst das Auge der Weisheit nicht zu Gesicht bekommt. Fürchte Dich nicht. Erzähle uns, was Dir an jenem Ort widerfahren ist, auf dass Traum und Wirklichkeit eins werden.“

    Yeran spürte, dass Salond ihm die Gelegenheit geben wollte, etwas zu sagen. Dass seine Beschreibung dem Traum eines Sterndeuters entsprungen sein sollte, kam ihm zwar seltsam vor, doch Ocanns Schilderung über den Garten des Lichts hatte ihn aufhorchen lassen. Es war also tatsächlich geschehen. Das Leuchten am Grund des Sees, das Strömen des Wassers um ihn herum und schließlich jene geheimnisvolle Stimme, die wie eine Eingebung zu ihm gesprochen hatte, all das war kein Traum sondern eine undeutliche Wirklichkeit, an die er sich mehr und mehr erinnerte. „Wie mir scheint, kannst Du uns etwas mehr über diesen Traum sagen, Yeran. Doch sammle zunächst Deine Gedanken, bevor Du beginnst.“ Salond wollte sichergehen, dass der junge Steinhauer die Gelegenheit erhielt, um sich Klarheit über das Geschehene zu verschaffen. Noch wichtiger schien ihm allerdings, dass er Leighton zuvor aus dem Raum schicken konnte, ohne unhöflich zu wirken. Der Anführer der Siedler hatte den Magiern schließlich mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Doch was nun folgen würde, war nur für wenige Ohren bestimmt, bemerkte Salond entschuldigend. Mit einem förmlichen „Auf Wiedersehen“ verließ Leighton daher nach kurzer Unterredung den Raum, wobei man ihm allerlei Höflichkeiten mit auf den Weg gab. Er kam zu der Einsicht, dass Salond ihn und die Siedlung vor Schaden bewahren wollte. Dass es mitunter gefährlich wäre, zu viel über diese Angelegenheit zu wissen. Es war daher wohl besser, wenn er nicht alle Einzelheiten kannte, abgesehen davon, dass er von der Magiekunde ohnehin nur wenig verstand.
     

    Yeran war überzeugt, dass er nun seine Geschichte erzählen sollte, doch Salond bat ihn noch einen Augenblick abzuwarten. „Wir sind froh, dass wir Dich gefunden haben, Yeran. Und wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, bist Du genau derjenige, nach dem wir gesucht haben.“ „So oder so“, setzte Ocann mit bedeutungsvoller Miene hinzu. Noch bevor Yeran sich weitere Gedanken über die Worte des Sterndeuters machen konnte, griff Salond nach seinem Stab, der bis dahin unauffällig an einem der Stühle gelehnt hatte und trat in die Mitte des Raumes: „Es ist an der Zeit, dass wir unsere Geheimnisse miteinander teilen, Yeran.“ Mit seinem Stab führte Salond eine kreisende Bewegung aus und murmelte einige fremdartig klingende Worte, woraufhin das Zimmer zu verschwimmen begann. Jedenfalls schien es Yeran so. Der Raum wurde allmählich von verzerrenden Wellen und Wirbeln durchzogen, in deren Sog sich schließlich die gesamte Umgebung auflöste. War dies ein zerstörerischer Zauber? Yeran hatte das Gefühl in einem Meer aus Nichts zu versinken und hätte am liebsten wie wild mit den Armen gerudert, um nicht in der Durchsichtigkeit unterzugehen. Doch es war zu spät. Salond, Elandus, Ocann und Yeran wurden in einen grünlichen Schimmer gehüllt, der ihre Gestalten verblassen ließ, bevor sie schließlich im Nimbus der Leere verschwanden.

    Zu Kapitel 5

    Seite 1 | Seite 2 | Seite 3

    « 1 2 3

RoM-Welten English RoM-Welten German
RoM-Welten.de auf Facebook RoM-Welten.de auf Twitter RoM-Welten.de auf YouTube RoM-Welten.de auf Google+
Monster und ihre Spawnzeiten
Zur Galerie: Screenshots