• Community Roman - Kapitel 5

  • Salond, Elandus und Ocann kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Gewiss, sie hatten sich aufgrund ihrer Kenntnisse ein ungefähres Bild von den möglichen Ursachen für die verstärkten magischen Strömungen in den Heulenden Bergen machen können. Doch dieser Teil von Yerans Geschichte übertraf ihre kühnsten Erwartungen – und zugleich ihre schlimmsten Befürchtungen. Denn Yeran wusste nicht nur von der Prophezeiung des Gottes zu berichten, allein ein solches Ereignis war der Geheimhaltung wert, es gelang ihm schließlich auch sich an Narfas' Gabe zu erinnern, sodass er das Geschenk des Gottes nach kurzem Suchen aus einem kleinen Lederbeutel hervorholen konnte. Die Magier aus Varanas waren begeistert von diesem Fund. Der junge Steinhauer hielt mit Narfas' Gabe nicht nur einen stichhaltigen Beweis für seine Geschichte in Händen, sondern auch eines jener einzigartigen Artefakte, nach denen das Auge der Weisheit seit langer Zeit suchte. Doch um sicherzugehen, würde eine genauere Begutachtung nötig sein. Elandus, der sich am besten auf die Untersuchung der Artefakte verstand, bat Yeran, ihm Narfas' Gabe für einen Augenblick auszuhändigen. Unser junger Steinhauer reichte ihm schließlich zögernd seinen Fund, und Elandus begann mit der Untersuchung des Gegenstandes. Narfas' Gabe war augenscheinlich eine Art Stein mit metallischer Beschaffenheit. Er lag leicht in der Hand und war kaum größer als die Handfläche eines ausgewachsenen Mannes, wenn man von den kräftigen Händen der Holzfäller und Bergarbeiter in der Pioniersiedlung einmal absah. Elandus konnte anfangs nicht recht sagen, ob es sich um eine Rune oder doch eher um ein Artefakt unbekannter Herkunft handelte. Der Stein war von dunkler Färbung und hatte eine matt glänzende Oberfläche, in die Zeichen und Symbole eingeritzt worden waren. Man konnte sie jedoch erst bei genauerem Hinsehen erkennen, ein flüchtiger Blick genügte nicht.

    Elandus hielt den Stein ein wenig in die Höhe, um sich seine Ränder und deren Übergänge ansehen zu können. Salond und Ocann hingen mit ihren Blicken ebenfalls an dem Artefakt und auch Yeran wollte mehr über seinen Fund wissen, den er doch immerhin eine ganze Weile mit sich herumgetragen hatte, ohne ihn recht anzusehen. Da geschah es, das ein kleiner Regentropfen vom Himmel fiel und unmittelbar auf dem Stein landete. Weder Yeran noch Salond oder seine Begleiter hätten dies in irgendeiner Weise bemerkt, wenn sich das Artefakt nicht mit einem Mal verändert hätte. Die Zeichen und Symbole an seiner Oberfläche leuchteten auf, als sich der kleine Regentropfen auf dem Stein auszubreiten begann. Sicher, es war nur wenig Wasser in diesem Tropfen enthalten, doch aus irgendeinem Grund gelang es ihm, sich über das ganze Artefakt zu verteilen und den Stein schließlich mit einer dünnen Schutzhülle aus feinem Wasser zu umgeben, sodass er sich aus Elandus' Griff löste und ein Stück weit über der Handfläche des Reliktforschers zu schweben begann. „Erstaunlich“, stellte Salond fest. „Einen solchen Stein habe ich nie zuvor gesehen. Er scheint eine Art Rune zu sein, doch nicht von der üblichen Beschaffenheit. Wir sollten diesen Fund Großmeister Yarandor in Varanas zeigen. Kein Anderer versteht so viel von den Eigenschaften dieser magischen Steine wie er. Verzeiht, Elandus, ich wollte Euch damit nicht kränken oder Eure Fähigkeiten in Frage stellen, doch ein Artefakt wie dieses verlangt eine Begutachtung von höchster Stelle. Wie ich den Großmeister kenne, wird er uns ohnehin in seine Untersuchung miteinbeziehen, sodass uns keine seiner Entdeckungen entgehen wird.“

    Elandus willigte bald darauf in Salonds Plan ein, wusste er doch, dass ein Fund wie dieser nur von der Gemeinschaft der Magier angemessen begutachtet werden konnte. Gemeinsam würden sie den Ursprung und die Bedeutung des Artefakts entschlüsseln und somit einen Weg finden, das magische Wissen und die arkanen Kenntnisse der Menschen zu erweitern, wie es die Grundsätze des Auges der Weisheit vorsahen. Yeran, der noch immer ganz erstaunt auf das nunmehr schwebende Artefakt blickte, hatte das Gespräch der Magier zwar auf einem Ohr mit angehört, doch nur wenig von dessen eigentlichem Inhalt mitbekommen. Einen Großmeister Yarandor kannte er ohnehin nicht. Erst als Salond nicht lange danach seinen Stab ergriff und einige Zauberformeln murmelte, dämmerte es Yeran, dass sie tatsächlich gemeinsam nach Varanas reisen würden, um den Großmeister zu treffen. Hier und heute. Salond ließ seinen Stab abermals weite Kreise in der Luft ziehen, bis schließlich jener Sog der Leere entstand, den Yeran noch in so unangenehmer Erinnerung hatte. Es gefiel ihm gar nicht, dass er erneut verschwinden würde, um an einem anderen Ort Taboreas wieder zum Vorschein zu kommen. Hoffentlich würde ihm danach nicht wieder so flau im Magen sein, dachte unser junger Steinhauer, während der Nimbus der Leere sie allmählich umschloss und in die Sphäre zwischen den Welten versetzte.

     

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